Augen
Update
Vor Ort
Online

Datum
Freitag, 31. Juli 2026
Uhrzeit
07:45 – 08:30 Uhr
Dauer
45 Min.
Credits
1 CME-Punkt
Lernziele
Was kann Forschung über Augenbewegungen von Gesundheitspersonal zur Patientensicherheit beitragen?
Anbieter
Augenklinik Kantonsspital Winterthur
Vor Ort
Online
Als Webinar auf augen-update.ch. Den Zugangslink erhalten Sie vorab per E-Mail oder direkt hier auf dieser Seite.
PD Dr. med. Daniel A. Hofmänner,
Leitender Arzt, Interdisziplinäre Intensivstation, Kantonsspital Baden
Facharzt in Intensivmedizin und Innerer Medizin. Ausbildung am UniversitätsSpital Zürich und University College London. Forschungsinteressen Patientensicherheit, eye-tracking, Sepsis. Engagiert in studentischer, ärztlicher und pflegerischer Lehre.
Eyetracking objektiviert visuelle Aufmerksamkeit
Eyetracking erfasst Blickmuster, Fixationen, Sakkaden und «Areas of Interest» objektiv. Die Methode charakterisiert visuelle Aufmerksamkeit, Situationsbewusstsein und Kontrollverhalten und zeigt wiederholt Diskrepanzen zwischen subjektiver Einschätzung und tatsächlich gemessener Blickverteilung.
Klinische Prozesse zeigen relevante Mismatches
Bei Extubationen liegt die visuelle Aufmerksamkeit überwiegend beim Patienten, während zentrale Monitorparameter wie die Atemfrequenz oft nicht betrachtet werden. Erfahrene Intensivmediziner fokussieren stärker das klinische Bild und benötigen weniger Kontrollblicke auf Monitor oder Respirator.
Patientensicherheit profitiert von Prozessanalyse
Eyetracking identifiziert sicherheitsrelevante Schwachstellen: «Tallman Lettering» reduziert Medikationsfehler bei Spritzenetiketten signifikant, und verdeckte Analyse zeigt eine niedrige Händehygiene-Compliance. Die Methode unterstützt daraus abgeleitete Checklisten, SOPs und Interface-Optimierungen.
In der Fortbildung «Eye-Tracking in der Intensivmedizin: Perspektivenwechsel», organisiert durch die Augenklinik Kantonsspital Winterthur, stellt PD Dr. med. Daniel A. Hofmänner die Grundlagen des Eye-Trackings und dessen Anwendung zur Analyse visueller Aufmerksamkeit von Gesundheitsfachpersonen auf der Intensivstation vor. Er erläutert das technische Prinzip mit mobiler Brille, Infrarotreflexion an der Hornhaut und softwaregestützter Auswertung von Blickbewegungen, Fixationen, Sakkaden sowie «Areas of Interest» und zugehörigen Parametern wie Dwell Time, Revisits und Average Fixation Time. Anhand einer Studie zur Extubation zeigt PD Dr. med. Daniel A. Hofmänner, dass die visuelle Aufmerksamkeit überwiegend auf den Patienten gerichtet ist, während zentrale Monitorparameter wie die Atemfrequenz trotz ihrer Relevanz häufig nicht überprüft werden, was auf Diskrepanzen zwischen subjektiver Einschätzung und objektivem Verhalten hinweist. In einer weiteren Untersuchung zu Spritzenetiketten reduziert «Tallman Lettering» die Fehlerrate bei der Medikamentenselektion durch Intensivpflegefachpersonen signifikant, obwohl die Bearbeitungszeit und die visuelle Verweildauer auf den Etiketten zunehmen. Eine Studie zur Händehygiene unter Ausschluss des Hawthorne-Effekts zeigt eine insgesamt tiefe Compliance, insbesondere bei Ärztinnen und Ärzten, und verdeutlicht erneut die Differenz zwischen Selbsteinschätzung und tatsächlichem Verhalten. Zudem wird bei der ZVK-Anlage sichtbar, dass sich Blickmuster je nach Erfahrungsgrad unterscheiden und Unerfahrene häufiger Kontrollblicke auf Punktionsstelle und Sonographiebild durchführen. Abschliessend betont PD Dr. med. Daniel A. Hofmänner das Potenzial von Eye-Tracking für Patientensicherheit, Ergonomie, Interface- und Checklistenentwicklung, weist jedoch auch auf Limitationen wie kleine Stichproben, eingeschränkte Kontrollmöglichkeiten und die nur indirekte Erfassung kognitiver Prozesse hin.