Augen
Update
Vor Ort
Online

Datum
Freitag, 24. Juli 2026
Uhrzeit
07:45 – 08:30 Uhr
Dauer
45 Min.
Credits
1 CME-Punkt
Lernziele
Teilnehmende erkennen Ursachen, Klinik und Risikofaktoren kornealer Ulzera.
Teilnehmende differenzieren infektiöse von nichtinfektiösen Hornhautulzera.
Teilnehmende leiten Diagnostik und initiale Therapie evidenzbasiert ein.
Anbieter
Augenklinik Kantonsspital Winterthur
Vor Ort
Online
Als Webinar auf augen-update.ch. Den Zugangslink erhalten Sie vorab per E-Mail oder direkt hier auf dieser Seite.
Dr. med. Nico Gross,
Oberarzt, Augenklinik Kantonsspital Winterthur
Seit April 2024 arbeite ich in der Augenklinik des Kantonsspitals Winterthur. Dank der Plattform "Augenheilkunde am Puls der Zeit" wurde mir die Möglichkeit gegeben vor einem breiten Publikum Fortbildungen zu halten.
Ulkus versus Infiltrat unterscheiden
Ein Infiltrat ist eine stromale Zellansammlung bei intaktem Epithel. Ein Ulkus weist eine epitheliale Destruktion durch proteolytische stromale Vorgänge auf und ist fluoreszeinpositiv. Diese Unterscheidung ist für die klinische Einordnung zentral.
Infektiöse Keratitis rasch abklären
Bei Hornhautulkus erfolgt die rasche Differenzierung zwischen infektiöser und nichtinfektiöser Ursache. Ein Abstrich wird besonders bei zentralen, grösseren oder therapieresistenten Befunden empfohlen. Die empirische Therapie beginnt sofort und wird nach mikrobiologischem Resultat angepasst.
Steroide nur nach Erregerkontrolle
Topische Steroide werden erst nach Erregerkontrolle erwogen. Bei Pilz- oder Akanthamöbeninfektionen fördern sie eine Progredienz. Bei Herpes-simplex-Keratitis ist die Differenzierung zwischen epithelialer und stromaler Form entscheidend, da die epitheliale Form nicht steroidal behandelt wird.
In der Fortbildung «Ulcus Cornea – schwindende Hornhaut», organisiert durch die Augenklinik Kantonsspital Winterthur, stellt Dr. med. Nico Gross anhand mehrerer Fallbeispiele die Differenzierung zwischen Infiltrat und Ulkus sowie die Abklärung infektiöser und nicht infektiöser Hornhautpathologien dar. Er erläutert, dass infektiöse Ursachen insbesondere bakterielle, virale, mykotische und durch Akanthamöben verursachte Keratitiden umfassen, während nicht infektiöse Befunde unter anderem neurotrophe, immunologisch vermittelte und expositionsbedingte Ulzera einschliessen. Im Vortrag werden typische klinische Konstellationen beschrieben, darunter die rasch progrediente bakterielle Keratitis bei Kontaktlinsenträgerinnen mit ausgeprägten Schmerzen und Hypopyon, die Herpes-simplex-Keratitis unter inadäquater Steroidtherapie sowie verschiedene Formen der Pilzkeratitis mit eher langsamem Verlauf. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Diagnostik mittels Hornhautabstrich, gegebenenfalls ergänzt durch PCR und Vorderkammerpunktion, wobei insbesondere bei grösseren, zentralen oder therapierefraktären Ulzera eine mikrobiologische Abklärung betont wird. Therapeutisch empfiehlt Dr. med. Gross einen sofortigen empirischen Behandlungsbeginn mit anschliessender Anpassung an die mikrobiologischen Resultate; dargestellt werden unter anderem topische Antibiotika, antivirale Therapie bei epithelialer Herpes-simplex-Keratitis sowie antimykotische Strategien mit Natamycin, Amphotericin, Voriconazol und in Einzelfällen Chlorhexidin. Anhand der Verläufe wird gezeigt, dass Komplikationen wie Hornhautnarbe, Hornhautdekompensation, Perforation oder im Extremfall Eviszeration trotz intensiver Therapie auftreten können und gelegentlich chirurgische Verfahren wie perforierende oder lamellierende Keratoplastik erforderlich machen. Als zentrale Schlussfolgerung hält Dr. med. Nico Gross fest, dass ein Ulcus corneae eine rasche Diagnose und Therapie erfordert, dass Abstriche frühzeitig durchgeführt werden sollen und dass Steroide erst nach Erregerkontrolle eingesetzt werden dürfen, da sie insbesondere bei Pilz- oder Akanthamöbeninfektionen den Verlauf verschlechtern können.