Augen
Update
Vor Ort
Online

Datum
Freitag, 17. Juli 2026
Uhrzeit
07:45 – 08:30 Uhr
Dauer
45 Min.
Credits
1 CME-Punkt
Lernziele
Erkennen typischer Merkmal des Normaldruckglaukom
Indikation für weiterführende differenzialdiagnostische Abklärungen
Kenntniss evidenzbasierter Therapie
Anbieter
Augenklinik Kantonsspital Winterthur
Vor Ort
Online
Als Webinar auf augen-update.ch. Den Zugangslink erhalten Sie vorab per E-Mail oder direkt hier auf dieser Seite.
Dr. med. Dominic Fuchs,
Assistenzarzt, Augenklinik KSW
Medizinstudium an der Universität Zürich, Fremdjahre in Innerer Medizin, Chirurgie und HNO. Im späteren Verlauf wissenschaftlicher Assistent am Inselspital sowie Unispital Zürich mit Schwerpunkt Uveitis. Ophthalmologische Ausbildung am Luzerner Kantonsspital, USZ und KSW Aktuell Schwerpunktinteresse Glaukom und Retina
Drucksenkung bleibt zentral
Beim Normaldruckglaukom bleibt der Augeninnendruck der wichtigste Risikofaktor. Eine Senkung um 30 % reduziert in der Collaborative Normal Tension Glaucoma Study das Progressionsrisiko deutlich. Der Zieldruck liegt häufig um 10 mmHg oder im einstelligen Bereich.
Atypische Befunde erfordern Zusatzabklärung
Bei blasser oder atypischer Papille, asymmetrischem Verlauf, akuten Visus- oder Gesichtsfeldveränderungen, homonymen Defekten oder neurologischen Symptomen sind weiterführende Abklärungen indiziert. Meist erfolgt ein MRI mit gezielter Fragestellung nach kompressiven, entzündlichen oder ischämischen Läsionen.
Therapie: Medikamente, SLT, Trabekulektomie
Initial erfolgt meist eine medikamentöse Drucksenkung, primär mit Prostaglandinanaloga. SLT ist möglich, erreicht im Normaldruckbereich allein jedoch häufig keine ausreichende Senkung. Bei Progression, fortgeschrittenem Schaden oder sehr tiefem Zieldruck bleibt die Trabekulektomie chirurgischer Goldstandard.
In der von der Augenklinik Kantonsspital Winterthur organisierten Fortbildung «Normaldruckglaukom: Diagnostik und Therapie» erläutert Dr. med. Dominic Fuchs das Normaldruckglaukom als multifaktorielle Form des primären Offenwinkelglaukoms, bei der der Augeninnendruck trotz normwertiger Messungen der wichtigste therapeutische Angriffspunkt bleibt. Er stellt dar, dass eine Drucksenkung um 30 % gemäss der Collaborative Normal Tension Glaucoma Study das Progressionsrisiko deutlich reduziert, während vaskuläre, biomechanische, neurodegenerative und liquorassoziierte Faktoren zusätzlich zur Pathophysiologie beitragen. In der Diagnostik betont er die Bedeutung einer sorgfältigen Anamnese, der Beurteilung von Papillenmorphologie, OCT und Gesichtsfeld sowie typischer Befunde wie fokaler Exkavation, Papillenrandblutungen und frühen parazentralen Defekten. Ein Schwerpunkt liegt auf der Differentialdiagnostik gegenüber nichtglaukomatösen Optikusneuropathien; bei atypischer Papille, asymmetrischem Verlauf, akuten Visus- oder Gesichtsfeldverlusten, homonymen Defekten oder neurologischen Symptomen empfiehlt Dr. med. Fuchs weiterführende Abklärungen, insbesondere ein gezielt protokolliertes MRI. Therapeutisch beschreibt er Prostaglandinanaloga als primäre Tropftherapie, eine zurückhaltendere Rolle der SLT im Niederdruckbereich und die Festlegung sehr tiefer Zieldrücke, häufig um 10 mmHg oder darunter, insbesondere bei fortgeschrittenen oder rasch progredienten Verläufen. Für chirurgische Situationen hebt er die Trabekulektomie als Goldstandard bei unkontrolliertem Offenwinkel- und Normaldruckglaukom hervor, vor allem wenn dauerhaft sehr tiefe Zieldrücke erforderlich sind. Abschliessend diskutiert er neuroprotektive Ansätze wie Nikotinamid, Ginkgo und Brimonidin, weist jedoch darauf hin, dass die Evidenzlage derzeit noch inkonsistent ist und grössere randomisierte Studien ausstehen.