Augen
Update
Vor Ort
Online

Datum
Freitag, 27. März 2026
Uhrzeit
07:45 – 08:30 Uhr
Dauer
45 Min.
Credits
1 CME-Punkt
Lernziele
Ich kenne die Unterschiede in der Beurteilung / Behandlung von Menschen mit vorbestehendem Diabetes mellitus versus Gestationsdiabetes
ich kenne die Zeitpunkte für das Retinopathiescreening bei jungen Frauen mit Diabetes mellitus vor / während der Schwangerschaft
Anbieter
Augenklinik Kantonsspital Winterthur
Vor Ort
Online
Als Webinar auf augen-update.ch. Den Zugangslink erhalten Sie vorab per E-Mail oder direkt hier auf dieser Seite.
Dr. med. Cornelia Keller,
Chefärztin Endokrinologie, Kantonsspital Winterthur
Präkonzeptionelle Beratung ist zentral
Bei vorbestehendem Diabetes mellitus ist die präkonzeptionelle Beratung essenziell. Ziel ist ein HbA1c <6,5 % bereits drei Monate vor Konzeption, Optimierung von Lebensstil und Medikation sowie Folsäuresupplementation. Ungeplante Schwangerschaften bei Typ-2-Diabetes sind besonders problematisch.
Retinopathie-Screening interdisziplinär planen
Bei vorbestehendem Diabetes erfolgt ein Retinopathie-Screening präkonzeptionell oder nach Schwangerschaftsfeststellung, erneut in der 28. Schwangerschaftswoche sowie postpartum. Je nach ophthalmologischem Befund ist zusätzlich eine Kontrolle zwischen der 16. und 20. Schwangerschaftswoche erforderlich.
Therapie erfordert enge Anpassung
In der Schwangerschaft verändern sich die Glukoseziele und der Insulinbedarf dynamisch. Besonders nach dem ersten Trimenon fällt der Insulinbedarf zunächst ab und steigt danach deutlich an. Metformin kann bei vorbestehendem Typ-2-Diabetes weiterdiskutiert werden; GLP-1-Analoga sollen vor geplanter Schwangerschaft abgesetzt werden.
In der von der Augenklinik Kantonsspital Winterthur organisierten Fortbildung «Diabetes in der Schwangerschaft» erläutert Dr. med. Cornelia Keller die zunehmende Relevanz vorbestehender Diabeteserkrankungen in der Schwangerschaft, insbesondere des Typ-2-Diabetes bei jungen Frauen, und betont die prognostische Bedeutung der präkonzeptionellen Beratung. Sie stellt dar, dass ein vorbestehender Diabetes mit einem erhöhten Risiko für Fehlbildungen, intrauterine Komplikationen, maternale Morbidität sowie fetale und neonatale Folgen wie Makrosomie und Hypoglykämie assoziiert ist, weshalb eine frühzeitige Optimierung der Stoffwechseleinstellung zentral ist. Dr. med. Keller differenziert die diagnostischen Kriterien des manifesten Diabetes mellitus von jenen des Gestationsdiabetes und erklärt, dass bereits milde Glukoseerhöhungen mit einem kontinuierlichen Anstieg geburtshilflicher und neonataler Komplikationen verbunden sind. Therapeutisch hebt sie die Bedeutung von Lebensstilinterventionen, das Absetzen nicht zugelassener Antidiabetika und Begleitmedikamente sowie die Festlegung strenger glykämischer Zielwerte hervor, wobei sie Unterschiede zwischen Typ-1- und Typ-2-Diabetes in der Schwangerschaft betont. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der interdisziplinären Betreuung mit präkonzeptionellem, schwangerschaftsbezogenem und postpartalem Retinopathie-Screening sowie auf der engen Kommunikation zwischen Diabetologie, Ophthalmologie, Gynäkologie und gegebenenfalls Nephrologie. Anhand des Verlaufs des Insulinbedarfs bei Typ-1-Diabetes zeigt sie die charakteristischen Veränderungen über die Schwangerschaft hinweg und unterstreicht die Notwendigkeit einer aktiven, teils täglichen Dosisanpassung durch die Patientinnen. Abschliessend diskutiert Dr. med. Keller den Einsatz von Metformin bei vorbestehendem Typ-2-Diabetes sowie die Problematik von GLP-1-Analoga im Kontext von Fertilität, ungewollten Schwangerschaften, Rebound-Gewichtszunahme und fehlenden Sicherheitsdaten in der Schwangerschaft.