Das Geheimnis der guten Refraktion
Vor Ort
Online

Informationen
Veranstaltung
Datum
Freitag, 23. Januar 2026
Uhrzeit
07:45 – 08:30 Uhr
Dauer
45 Min.
Credits
1 CME-Punkt
Lernziele
Einschätzen, in welcher Situation welche Ausführung einer Refraktion notwendig ist und wissen, wie diese durchgeführt wird.
Zugang
Anbieter
Augenklinik Kantonsspital Winterthur
Vor Ort
Online
Als Webinar auf augen-update.ch. Den Zugangslink erhalten Sie vorab per E-Mail oder direkt hier auf dieser Seite.
Referent:in
BSc Europtom Julia Schinzel,
Optometristin, Augenklinik KSW
Augenoptikerin EFZ, abgeschlossen 2015 Bachelor of Science in Optometry, abgeschlossen 2021 an der FHNW, Olten. Seit 2024 Verantwortliche der Untersuchungen zur Refraktiven Chirurgie am KSW.
Plausibilitätsprüfung und objektive Refraktion
SC-Visus ist obligatorisch. Das Autorefraktometer liefert bei gesunden Augen präzise Startwerte, ist bei auffälligen Augen und bei multifokalen IOLs unzuverlässig. Autowerte nie ungeprüft verordnen. Refraktion von Null auf durchführen und Ergebnisse fortlaufend plausibilisieren.
Strukturierte subjektive Refraktion
Ziel: so viel Plus wie möglich, so wenig Minus wie nötig; Verbesserung nur bei mehr erkannten Zeichen werten. Torisch mit Kreuzzylinder: erst Achse, dann Stärke; passende Testzeichen wählen, Nebelung vermeiden, danach Sphäre re‑checken. Anschliessend Binokularabgleich (Koen rot‑grün oder Schwärzevergleich).
Spezialfälle und Addition
Addition aus Lesedistanz (Kehrwert) minus halber maximaler Akkommodationsbreite bestimmen; Akkommodation mit Dorn‑Linie messen. Akkommodationsfreudige: Skiaskopie, Nebeln, ggf. Zykloplegie. Bei schlechter Sehschärfe grössere Schrittweiten. Hoher Astigmatismus/Keratokonus: starker «handgemachter» Kreuzzylinder, monokular refraktionieren, binokulare Verträglichkeit prüfen.
Die Fortbildung «Das Geheimnis der guten Refraktion» unter Leitung von BSc Europtom Julia Schinzel, organisiert durch die Augenklinik Kantonsspital Winterthur, behandelt den strukturierten Ablauf der Refraktion und die Abgrenzung zwischen schneller Visusabschätzung und präziser Brillenglasbestimmung. Im Fokus steht die korrekte Visusbestimmung (inkl. SC‑Visus) als Basis, die kontinuierliche Plausibilitätsprüfung in allen Schritten und die situationsabhängige Wahl von Hilfsmitteln wie stenopäischer Lücke oder Sklerallinse. Die objektive Refraktion mit dem Autorefraktometer liefert bei gesunden Augen schnelle, oft sehr genaue Ausgangswerte, ist jedoch bei auffälligen Augen und bei jungen Personen wegen Geräte‑Myopie limitiert und nie direkt als Verordnungswert geeignet. Der subjektive sphärische Abgleich priorisiert «so viel Plus wie möglich, so wenig Minus wie nötig», gefolgt von der torischen Bestimmung mit dem Kreuzzylinder (Achse vor Stärke), passenden Testzeichen (Punkte vs. Kreis) und dem konsequenten Vermeiden von Nebelung. Der Binokularabgleich erfolgt etwa mittels Koen‑Test (Rot‑Grün mit Polarisationsfiltern), wobei Gleichschwärze bzw. synchrones Umspringen unter ±0,25 bis ±0,50 die akkommodative Balance belegt; alternativ dient ein Schwärzevergleich ohne Farben. Die Additionsbestimmung orientiert sich an der Lesedistanz und der maximalen Akkommodationsbreite, von der etwa die Hälfte als komfortabel nutzbar abgezogen wird, anstatt pauschale Alters‑Additionen zu vergeben. Für Spezialfälle werden Strategien gegen Überminus bei akkommodationsfreudigen Personen (z. B. Nebeln, Skiaskopie, ggf. Zykloplegie), grössere Refraktionsschritte bei reduzierter Sehschärfe sowie modifizierte Verfahren bei hohem Astigmatismus oder Keratokonus (u. a. «gebastelter» starker Kreuzzylinder, monokularer Ansatz und binokulare Verträglichkeitsprüfung) betont. Fallbeispiele (post Keratoplastik, multifokale IOL) zeigen, dass Autorefraktionswerte ohne Bezug zum SC‑Visus und zur Symptomatik zu Fehleinschätzungen führen können, und dass Geduld, eine klare Struktur und eine zweckadäquate Zeitplanung die zentralen «Geheimnisse» der guten Refraktion sind.
