Augen
Update
Vor Ort
Online

Datum
Freitag, 14. November 2025
Uhrzeit
07:45 – 08:30 Uhr
Dauer
45 Min.
Credits
1 Punkt
Anbieter
Augenklinik Kantonsspital Winterthur
Vor Ort
Online
Als Webinar auf augen-update.ch. Den Link stellen wir Ihnen einige Tage vor dem Event via E-Mail zu.
PD Dr. med. et phil. Felix Hammann,
Oberarzt, Klinische Pharmakologie & Toxikologie, Inselspital Bern
In der Fortbildung «Medikamente, Augen und ältere Patienten», organisiert durch die Augenklinik Kantonsspital Winterthur, referiert PD Dr. med. et phil. Felix Hammann (Oberarzt, Pharmakologische Klinik, Inselspital Bern) über altersbezogene Arzneimittelrisiken an Auge und ZNS. Er erläutert, dass Altern mit Verlust der Homöostase, GFR‑Abnahme, veränderter Lebermetabolisierung (u.a. sinkende CYP3A4‑Aktivität), Änderungen der Körperzusammensetzung und erhöhter Pharmadynamik‑Empfindlichkeit einhergeht und so oligosymptomatische, teils paradoxe Reaktionen (autonomes Nervensystem, ZNS) die Abgrenzung zwischen Grunderkrankung und UAW erschweren. Beschrieben werden Prescribing‑Cascades und potentiell inadäquate Medikation (z.B. anticholinerge Substanzen, Benzodiazepine, Amiodaron) sowie Hilfsmittel wie europäische Listen und eine App aus Heidelberg. Für okulare UAW betont er die bidirektionale Problematik (systemische Therapie mit okulären Effekten und umgekehrt), Untererfassung und unspezifische Symptomatik; Beispiele umfassen Diphenhydramin aus der Selbstmedikation, Antiepileptika wie Topiramat (reversible Winkelverengung), Hydroxychloroquin (Retinopathie), Digoxin (Visusveränderungen) und Befunde unter TB‑Therapie. In der Schweiz besteht Meldepflicht; empfohlen werden eine niedrige Meldeschwelle und die Nutzung regionaler Pharmakovigilanzzentren bzw. Swissmedic, da besonders in der Ophthalmologie mehr Meldungen nötig sind. Eine Auswertung schweizerischer Meldungen in der WHO‑Vigibase über 25 Jahre zeigt, dass nur ein Teil der UAW okulär ist, häufig Substanzen mit Wirkungen auf Nerven- und Sinnesorgane betrifft, seit etwa 2000 auch VEGF‑Inhibitoren (u.a. Blutungen, Uveitis) umfasst und Polypharmazie als Risikofaktor erscheint, während Arzneimittelprobleme auch ohne Polypharmazie auftreten. Eine aktuelle FAERS‑Analyse zu Katarakt identifiziert 24 assoziierte Wirkstoffe, mit Kortikosteroiden (z.B. Dexamethason) und Insulin als prominenten Signalen, und verdeutlicht geographische Reporting‑Biases. Praxisnah rät er zu Wachsamkeit für Off‑Target‑Effekte (z.B. Visus, Schwindel, Stürze, sexuelle Dysfunktion), zum kritischen Einsatz von NSAR bei Älteren (renal, kardiovaskulär, gastrointestinal; auch topisch systemisch relevant) und zum konsequenten Melden bekannter wie neuer UAW, da sich Expositionen und Epidemiologie fortlaufend ändern.
Alter, PK/PD und okuläre UAW
Im Alter sinken GFR und CYP3A4-Aktivität; Körperzusammensetzung und ZNS-Empfindlichkeit ändern sich. Atypische, oligosymptomatische Präsentationen und autonome Off-Target-Effekte (z.B. durch Anticholinergika, Benzodiazepine, SSRIs, Gabapentin) erschweren die Differenzierung Krankheit versus UAW; Prescribing-Cascades entstehen. PIM-Listen/Decision-Support unterstützen Deprescribing.
Ophthalmologische UAW: erkennen und melden
Ophthalmologische UAW sind untererfasst. Systemische und topische Therapien verursachen wechselseitig okuläre bzw. systemische UAW; Symptome sind oft unspezifisch und zeitverzögert. Polypharmazie erhöht das Risiko. Aktive Meldung (niedrige Schwelle) an Pharmakovigilanzzentren oder Swissmedic ist essenziell – auch für bekannte UAW, da sich Epidemiologie/Exposition ändern.
Klinisch relevante Beispiele und Vorsicht
Topiramat induziert akuten Winkelblock, reversibel nach Absetzen. Hydroxychloroquin verursacht Retinopathie bei Langzeittherapie. Digoxin führt zu Gelbsehen/Visusunschärfe. NSAR erhöhen bei Älteren renales, gastrointestinales und kardiovaskuläres Risiko; auch topische Anwendung zeigt systemische Spiegel wegen durchlässiger Haut.