Augen
Update
Vor Ort
Online

Datum
Freitag, 21. November 2025
Uhrzeit
07:45 – 08:30 Uhr
Dauer
45 Min.
Credits
1 Punkt
Anbieter
Augenklinik Kantonsspital Winterthur
Vor Ort
Online
Als Webinar auf augen-update.ch. Den Link stellen wir Ihnen einige Tage vor dem Event via E-Mail zu.
Dr. med. Nico Gross,
Assistenzarzt, Augenklinik Kantonsspital Winterthur
Die Fortbildung «Trockenes Auge – Mehr als nur Tropfen?» der Augenklinik Kantonsspital Winterthur unter Leitung von Dr. med. Nico Gross beleuchtet Epidemiologie, Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie des trockenen Auges. Gemäss TFOS-Workshops wird die Dry-Eye-Disease als multifaktorielle, chronische Störung der Homöostase des Tränenfilms mit Tränenfilminstabilität, Hyperosmolarität, Entzündung und Schäden der okulären Oberfläche dargestellt. Ätiologisch werden wässrig-hyposekretorische (Sjögren- und Non-Sjögren-Formen) und evaporative Formen unterschieden; zentrale Faktoren sind Störungen der Maibomdrüsen, Lidfehlstellungen, reduzierte Lidschlagfrequenz und extrinsische Einflüsse, bei einem Tränenfilm aus Muzin-, wässriger und Lipidschicht. Diagnostisch werden ein pathologischer OSDI und mindestens ein klinisches Zeichen (z. B. TBUT <10 s, Hornhautstippung oder mit Vorsicht interpretierte Hyperosmolarität) gefordert; pathophysiologisch steht ein Teufelskreis aus Hyperosmolarität, Entzündung, Becherzellverlust und Maibomdrüsenatrophie im Zentrum. Therapeutisch wird eine stufenweise, patientengetragene Strategie betont: Korrektur von Lidpathologien, konsequente Lidrandhygiene, konservierungsmittelfreie Tränenersatzmittel (tagsüber/Salbe nachts), kurze Steroidkuren und ggf. topisches Cyclosporin; bei wässriger Hyposekretion kommen Tränenpünktchenokklusion sowie Albumin- und Eigenblutserumtropfen als Eskalation in Frage. Die IPL-Therapie wird als ergänzende Option zur Verbesserung der Meibomsekretion und Reduktion der Entzündung erläutert (Wärme, Photobiomodulation, Photothermolyse, antimikrobielle Effekte) mit drei Sitzungen im Abstand von etwa zwei und vier Wochen bei Beachtung einschlägiger Kontraindikationen. Die ab Januar 2026 startende Dry-Eye-Sprechstunde am Kantonsspital Winterthur nutzt Keratograph 5M und CIAC (Lumibird) für TBUT-, Lipidschicht-, Tränenmeniskus-, Meibographie- und Lidschlagmessungen, kombiniert mit OSDI, Schirmer-Test und klinischem Grading; bei Verdacht auf Sjögren-Syndrom erfolgt eine rheumatologische Abklärung. In der Diskussion werden zusätzlich kontaktlinsenbasierte Optionen (z. B. Miniscleral-Kontaktlinsen), In-office-Lidrandreinigung/Expression, die differenzialdiagnostische Einordnung neuropathischer Schmerzsyndrome mit interdisziplinärer Mitbehandlung sowie praktische Aspekte zu Kostengutsprache (Albumin/Eigenblut) und Selbstzahler-IPL angesprochen.
Chronisch und multifaktoriell: Diagnostik und Aufklärung
Trockene Augen sind chronisch; Ziel ist eine stabile Situation. Diagnostik: OSDI >13 plus ein Zeichen (TBUT <10 s, Hornhautstippung; Hyperosmolarität mit Vorsicht). Frühzeitige Aufklärung und Eigenverantwortung der Betroffenen verbessern die Therapieadhärenz und das Outcome.
Ätiologie differenzieren, zielgerichtet abklären
Verminderte Tränenproduktion (Sjögren/Non‑Sjögren) versus evaporative Form. Lidfehlstellungen und Meibomdrüsendysfunktion häufig. Bei Schirmer <6 mm/5 min an Sjögren denken und rheumatologisch abklären. Objektivieren mit Keratograph/Ciac: TBUT, Lipidschicht, Tränenmeniskus, Meibographie, Blinzelrate; Verlauf visualisieren.
Therapie stufenweise, über Tropfen hinaus
Stufentherapie: regelmässige, konservierungsmittelfreie Tränenersatzmittel (hoher Hyaluronatanteil), Nachtsalbe; initiale Steroidkur, ggf. Cyklosporin. Abflussreduktion mit Punctum‑Plugs oder «Lac Refill». Albumin‑ vs. Eigenblutserumtropfen. IPL bei Meibomdrüsendysfunktion: Wärme, Photobiomodulation, Gefäss‑Photothermolyse, antimikrobiell. Keine Pflichtleistung; Kostengutsprache oft nötig.